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«Rettet unser Heimetli» hat den Nerv der Zeit getroffen

02.03.2021 um 11:00 von Daniel

Warum war das Projekt «Rettet unser Heimetli» so erfolgreich?

Daniel Lütolf: Erfolgreiche Projekte haben meist folgende Gemeinsamkeiten: Sie sind einfach zu verstehen, sie sind nachvollziehbar, sind sympathisch und sie wecken positive Emotionen. «Rettet unser Heimetli» hat offenbar einen Nerv in der Öffentlichkeit getroffen. Dadurch ist eine Eigendynamik entstanden, die sich so nie planen lässt. Dass die Projektstarter – besonders Andreas Käslin – mit den Jodlern in der Öffentlichkeit stehen, hat sicher auch bei der Verbreitung des Projektes geholfen.

«Rettet unser Heimetli» sammelte über CHF 220'000 und wurde durch die Nidwaldner Kantonalbank betreut.

Welches sind die grössten Stolperfallen beim Crowdfunding?

Das Wichtigste ist, dass die Community vor dem Projektstart aufgebaut werden muss. Es gibt immer wieder Projektstarter, die ein Crowdfunding-Projekt starten wollen, mit dem Ziel, Reichweite zu generieren. Dies ist klar ein falscher Ansatz und ein Denkfehler. Reichweite entsteht durch eine bereits vorhandene Community und kann so vergrössert und erweitert werden. Vielfach sind Projekte unklar formuliert und die Ziele sind zu vage.

Ebenso wird der Aufwand für ein Crowdfunding-Projekt oft unterschätzt. Bei grösseren Projekten haben wir oftmals eine Vorbereitungszeit von bis zu einem halben Jahr. Es braucht ein «gutes» Video, einen klaren Projekt-beschrieb sowie einen Marketing- und Kommunikationsplan. Dies beinhaltet z. B. Social Media Accounts, Newsletter, Website usw. sowie mögliche «Offline-Events», um Aufmerksamkeit zu wecken (z. B. mittels Flash-Mobs). 

Ein Crowdfunding-Projekt kann auch als Markttest gesehen werden: Funktioniert das Projekt überhaupt nicht, müssen die Starter wieder zurück auf Feld 1. Und dies beinahe kostenlos. So gesehen kann auch ein erfolgloses Projekt ein erfolgreiches Projekt sein.

Wie wichtig sind die Gegenleistungen?

Gegenleistungen sind grundsätzlich sehr wichtig und sind ein wesentlicher Treiber für den Projekterfolg. Gegenleistungen sollten immer attraktiv, limitiert und exklusiv sein. Also Leistungen, welche ich ausschliesslich beim Crowdfunding-Projekt erstehen kann (exklusiv). Vielfach machen wir auch einen klassischen Abverkauf von Produkten: Ganz nach dem Motto «der Schnellere hat es günstiger» (attraktiv). Die künstliche Verknappung einer Gegenleistung ist auch eine gute Möglichkeit (limitiert).

Klassische Spenden (also ohne Gegenleistungen) gibt es ab und zu bei sozial gelagerten Projekten. Aber der Umfang vom «Rettet unser Heimetli» ist sehr aussergewöhnlich und sehr selten. Sie haben – wie bereits erwähnt – wohl einen Nerv in der Öffentlichkeit getroffen.

Das Interview erschien im Landwirtschaftsmagazin "Die Grüne". Hier kannst du den ganzen Artikel lesen: https://www.diegruene.ch/artikel/neuer-anbindestall-dank-crowdfunding-projekt-rettet-unser-heimetli

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