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Interview mit dem Starter des Projektes «Generationen-Plattform für Nachbarschaftshilfe»

18.09.2017 um 15:37 von Phil 0 Kommentar(e)

Die alte Erfolgsgeschichte der Nachbarschaftshilfe an die heutige Gesellschaft anpassen. Die Starter des Projektes «Generationen-Plattform fĂĽr Nachbarschaftshilfe»  haben mit der im März 2017 lancierten Plattform «fĂĽrenand.ch» genau das getan. Einen Teil der Kosten haben sie mit einer Crowdfundingkampagne auf Funders – also mit eurer UnterstĂĽtzung – finanziert.

Im Interview verrät uns der Projektstarter Patrick Lauber wie der Start der Plattform verlaufen ist, warum das Sich-Kennen wichtig ist für die gegenseitige Hilfe und welchen Zukunftsplan sie mit der Plattform verfolgen.

Patrick Lauber …über die Generationenplattform

Patrick, eure Plattform ist seit März 2017 online. Bis Ende Jahr läuft eine erste Version mit Pilot-Nachbarschaften. Welches Urteil könnt ihr nach einem halben Jahr fällen?
Es ist noch etwas früh, um bereits ein Urteil zu fällen. Aktuell sind wir in drei Nachbarschaften aktiv und zwar in der Stadt Zürich, in Luzern und in der Gemeinde Schenkon. Bis Ende Jahr sollte noch eine Gemeinde im Kanton Schwyz und ein Quartier in Bern dazu kommen. Damit hätten wir unser Ziel von fünf Pilot-Nachbarschaften erreicht.

Die Plattform soll eine BrĂĽcke schlagen zwischen den verschiedenen Generationen. Wie wird die Plattform genutzt?
Nach unseren bisherigen Erfahrungen spielt das Alter keine wesentliche Rolle. Wir haben von Teenagern bis Senioren alle Alterskategorien auf der Plattform. Der grösste Teil der Benutzer ist aber schon zwischen 25 und 55, oft Eltern mit Kindern oder Leute, die neu in eine Nachbarschaft gezogen sind.

Ihr bietet Gemeinden eure Plattform aktiv an. Wie sind die Reaktionen?
Bis jetzt haben wir die Plattform bei zwei Gemeinden vorgestellt und wir können in beiden Gemeinden eine Pilot-Nachbarschaft eröffnen. Es sind beides Gemeinden, die sich schon intensiv mit dem Thema Nachbarschafts-, respektive Quartiersentwicklung befasst haben. Wir haben also einen Nerv getroffen und entsprechend positive Reaktionen erhalten. Mitte nächstes Jahr werden wir hierzu erste Erfahrungen haben.

Patrick Lauber ĂĽber den Erfolg seines Projektes «Generationen-Plattform fĂĽr Nachbarschaftshilfe» 
Zufrieden mit der bisherigen Pilotphase von «fĂĽrenand.ch»: Patrick Lauber, CEO von Belvita und Starter des Projektes Â«Generationen-Plattform fĂĽr Nachbarschaftshilfe».

Ihr habt bewusst fünf unterschiedliche Nachbarschaften für euer Pilotprojekt gewählt. Merkt ihr Unterschiede? Falls ja, welche?
Zum einen unterscheiden sich die Nachbarschaften aufgrund ihrer Organisationsform. Wir sprechen von sogenannten „Top-Down“-Nachbarschaften, dies sind beispielsweise neue Überbauungen, Genossenschaften oder konkret Generationen-Projekte. Hier gibt es eine klare Zugehörigkeit und meistens eine zentrale Anlaufstelle oder Verwaltung. Auf der anderen Seite sind die „Bottom-Up“-Nachbarschaften oder auch die natürlich gewachsenen Nachbarschaften, die sich über die Jahre gebildet haben, aber eigentlich keinen klaren Rahmen, beziehungsweise keine klare Organisation haben.

Zum anderen unterscheiden sich natürlich die Themen, über die auf der Plattform kommuniziert wird. So sind es in Zürich logischerweise eher urbane Themen wie „Urban Gardening“ oder „Zero Waste“. Was aber überall immer ein Thema ist, ist die Organisation von Veranstaltungen. Sei dies ein Sommer-Fest, ein Nachbarschaftstreffen oder ein gemeinsames 1.-August-Bräteln. Das finde ich persönlich super!

… über die Leistungen der Plattform.

Wer kann auf eurer Plattform Hilfe beanspruchen oder Hilfe anbieten? Was sind die Kriterien?
Grundsätzlich stellen wir das Thema „Hilfe“ nicht in den Mittelpunkt. Unser Ansatz lautet "Hilfe entsteht, wenn man sich kennt" – man muss sich also zuerst kennenlernen. Primär soll unsere Plattform also mithelfen, eine lebendige Nachbarschaft zu gestalten. Und dafür ist es wichtig, dass man weiss, wer in der Nachbarschaft wohnt und dass man die Gelegenheit hat, sich auszutauschen und gemeinsam Aktivitäten zu organisieren. Wenn dieser Grundstein gelegt ist, kann gegenseitige Hilfe daraus entstehen.

Welche Leistungen können konkret beansprucht oder angeboten werden?
Die Plattform bietet die Möglichkeit sich mit seinen Nachbarn auszutauschen. Man kann Mitteilungen posten, es gibt einen Marktplatz zum Verschenken oder Verkaufen von Sachen oder es können Veranstaltungen organisiert werden. Im Bereich „fürenand“ können dann eben kleine Inserate aufgegeben werden, wenn man etwas braucht oder wenn man etwas anzubieten hat.

Welche Leistungen werden bisher am meisten beansprucht?
Vielleicht aufgrund der doch eher aktiveren Sommerzeit, ist das Thema Veranstaltungen bis jetzt das meist benutzte. Aber auch die Möglichkeit Gruppen zu bilden, findet guten Anklang und wird rege genutzt.

… über die Idee zur Plattform?

Wie ist die Idee zur Plattform entstanden?
Vor etwas mehr als einem Jahr haben mein Geschäftspartner Markus Schneider und ich das Start-up «Belvita» gegründet. Unsere Vision ist es, ein Pflege- und Betreuungsnetzwerk aufzubauen mit dem Ziel, dass betagte und behinderte Menschen möglichst lange selbstständig und unabhängig zu Hause leben können. Dazu braucht es nicht nur medizinische Versorgung, auch die soziale Integration ist wichtig. Die Nachbarschaft wird, unter anderem aufgrund von veränderten Familienstrukturen, diesbezüglich eine immer wichtigere Rolle spielen. Und im Zeitalter von Facebook und Co. lag es auf der Hand, unser Vorhaben durch eine digitale Plattform zu unterstützen.

Wie waren die RĂĽckmeldungen zu der Idee?
Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen erhalten. Zum einen liegt es sicher daran, dass jeder selber Teil einer Nachbarschaft ist und sich wünscht, in einer lebendigen Nachbarschaft zu leben. Und zum anderen sind auch sehr viele mit dem Thema Alter konfrontiert, sei es persönlich oder weil vielleicht die Eltern langsam in ein Alter kommen, in dem nicht mehr alles so einfach geht wie früher.

Gab es auch kritische Stimmen?
Ja schon. Das grösste Fragezeichen besteht darin, ob gerade die ältere Generation den Zugang zur Plattform findet. Um diesem Thema etwas entgegenzuwirken, haben wir extra eine Stellvertreter-Funktion eingebaut. So kann zum Beispiel der Enkel im Namen seiner Grossmutter oder seines Grossvaters einen Post aufgeben.

Ein Blick in die Zukunft: Was wäre euer Wunschtraum für die Plattform?
Am schönsten für uns wäre, wenn dank unserer Plattform in möglichst vielen Nachbarschaften mehr Austausch und Kontakt entsteht. Es ist uns natürlich klar, dass es auch andere Rahmenbedingungen braucht, beispielsweise einen physischen Ort, wo man sich treffen kann. Wenn wir aber mit unserer Plattform einen Teil dazu beitragen können, dass sich die Menschen in der Nachbarschaft besser kennenlernen und sich letztendlich für gemeinsame Aktivitäten finden, wäre das schon super!

…über das Crowdfunding-Projekt

Warum habt ihr euch entschlossen, euer Projekt ĂĽber Crowdfunding zu finanzieren?
Als Start-up waren, beziehungsweise sind unsere finanziellen Ressourcen doch eher bescheiden. Unser Thema hat einen sozialen Charakter und es spricht viele Menschen an. Aus unserer Sicht war das eine gute Voraussetzungen fĂĽr eine Crowdfunding-Kampagne.

Was war ausschlaggebend, Funders zu wählen?
Es war nicht zuletzt der Zeitpunkt. Unser Timing hat sich mit dem Start von Funders gekreuzt und wir konnten so von den initialen Marketing-Aktivitäten von Funders profitieren.

Was wĂĽrdest du rĂĽckblickend anders machen?
Grundsätzlich nicht viel, denn es hat ja funktioniert! Wie bereits erwähnt, ist unsere Plattform «fürenand.ch» ein Teil unseres Gesamtkonzepts bei Belvita. Es ist nicht ganz einfach, unsere Vision zu kommunizieren, da sie aus verschiedenen Bereichen besteht. Vielleicht würde ich mich nächstes Mal noch mehr auf nur ein Thema fokussieren, sodass es einfacher ist zu kommunizieren – keep it simple.

Hast du Tipps fĂĽr andere Starter?
Wie schon oben erwähnt muss die Idee respektive die dahinterliegende Story einfach sein, sodass jedem relativ schnell klar ist, worum es geht.

Belvita

«fürenand.ch» ist ein Projekt der Belvita Schweiz AG. Mit der Non-Profit-Plattform möchte Belvita helfen, Generationen zu verbinden und Nachbarschaften lebendiger zu gestalten, um so unter anderem auch Gesundheitskosten zu sparen. «fürenand.ch» soll für einfache Arbeiten der Nachbarschaftshilfe – Rasen mähen, soziale Kontakte, Einkaufshilfe, Fahrdienste, etc. – ein effizientes und modernes Netzwerk bieten, das die Bedürfnisse mit den Angeboten verbindet. Die Benutzung der Plattform ist für Private kostenlos.

www.belvita.ch

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