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Hof in der dritten Generation: Interview mit den Projektstartern von «Heimetli»

29.06.2020 um 14:26 von Phil

Die Familie Käslin betreibt den Hof «Heimetli» in Ennetmoos am Fusse des Stanserhorns bereits in der dritten Generation. Die Stallung aus dem 19. Jahrhundert drohte einzustürzen und musste dringend erneuert werden. Trotz Nebenerwerb konnte die 8-köpfige Familie die Finanzierung nicht alleine stemmen und setzte unter anderem auf Crowdfunding. Im Interview verrät sie, wie sie Ihr Projekt zu 221% finanzierte.

Bereits in der dritten Generation führt ihr euer «Heimetli». Was bedeutet es für euch, den Hof weiterführen zu können?

Unser «Heimetli» weiterführen zu dürfen, ist eine Herzensangelegenheit. Es bedeutet für uns nicht nur ein Erbe anzutreten, sondern es zu pflegen und für weitere Generationen zu erhalten. Auf der anderen Seite ist es ein Geschenk, dass unsere Grossfamilie im Verbund mit Natur und Tier aufwachsen und leben darf.

Durch das erfolgreiche Crowdfunding könnt ihr nun wie geplant die Stallung neu bauen. Welche Aufgaben stehen für euch als nächstes an?

Das grosse Echo, welches wir auf unseren Aufruf erhielten, bedeutet auch Verpflichtung. All den Gegenleistungen nachzukommen, wird uns noch das ganze Jahr über beschäftigen. 

Wir freuen uns auf die Zeit, wenn das ganze Projekt abgeschlossen ist, die Tiere ihre neue Stallung bezogen haben und der Alltag wieder einkehrt.

Wie beeinflusst euch die derzeitige Corona-Situation?

Als Bauersfrau sechs Kinder zuhause zu haben und vier davon im Home-Schooling zu betreuen, war fast nicht zu bewältigen. Zur gleichen Zeit begannen wir mit dem Bau der neuen Stallung, wo es galt, neben der Familie auch die Arbeiter zu verköstigen. Ohne externe Mithilfe wäre dies kaum zu bewältigen gewesen.

Wann rechnet ihr damit, dass die Neustallung fertig gebaut sein wird?

Die Neustallung wird noch diesen Monat (Juni 2020, Anm. v. Funders) stehen und unsere Tiere werden ihr neues Zuhause circa Anfang Oktober nach der Alpzeit beziehen dürfen.

Die Bauarbeiten der neuen Stallung.

Warum habt ihr euch entschlossen, euer Vorhaben über Crowdfunding zu finanzieren?

Bei der Planung unseres Vorhabens zeigte sich schnell, dass die Finanzierung uns vor grosse Herausforderungen stellen wird. Uns wurde schnell klar, dass wir auf externe Hilfe angewiesen sind, um unseren Traum zu verwirklichen. 

Die Einsturzgefahr der alten Stallung liess uns jedoch keine Zeit, es musste gehandelt werden. Wir entwickelten eine Finanzierungsstrategie und stellten diese auf mehrere Pfeiler, da einzelne den Erfolg nicht garantieren konnten. Wir erhofften uns über Stiftungsgelder (Berghilfe etc.), Firmen und das direkte Anschreiben von Personen (Dossier) einen Grossteil der benötigten Finanzen zu sichern. Mit dem Crowdfunding, das wir erst gerade neu entdeckt hatten, beabsichtigten wir lediglich Lücken zu schliessen und Anschaffungen für die Neustallung zu tätigen, die notwendig aber nicht absolut prioritär sind.

Was war ausschlaggebend, Funders zu wählen?

Wir haben uns unter anderem für Crowdfunding entschieden, da dieses System die Möglichkeit bietet, schnell und wirksam (mit Bild und Ton) eine grosse Öffentlichkeit zu erreichen, weit über die Kantonsgrenzen hinaus.

Die erste Kontaktaufnahme mit dem Funders-Team der NKB in Stans gestaltete sich sehr sympathisch und bewog uns diesen Schritt zu wagen.

Bereits bei der Festlegung des Fundingziels war uns bewusst, dass wir ein sehr ambitioniertes Ziel ansteuerten. Doch wir glaubten daran, dass unser beherztes Engagement sich irgendwie auszahlen würde. Ebenso unsere mehrgleisige Strategie liess uns darauf vertrauen, dass wir die Finanzierung so irgendwie zu sichern vermögen. Mit diesen Überlegungen stiessen wir das ganze Unterfangen an und scheuten keinen Aufwand, unser Projekt zum Ziel zu führen.

Ihr habt euer Fundingziel von 150'000 Franken deutlich übertroffen und über 220'000 Franken gesammelt. Wart ihr von dem Erfolg überrascht?

Ja, das Echo war überwältigend. Viele meldeten sich sogar direkt via Mail, kontaktierten uns telefonisch oder besuchten uns und boten anstelle von Geld «Manpower» an.

Was war euer Erfolgsgeheimnis? Wie habt ihr es geschafft, 664 Unterstützerinnen und Unterstützer für eure Idee zu überzeugen?

Es ist schwierig zu sagen, worauf unser Erfolg fusst. Wahrscheinlich ist es uns gelungen, unser Anliegen authentisch rüberzubringen; den Adressaten das Gefühl zu geben, dass ihre Zuwendung etwas Grosses bewirken kann.

Gleichzeitig legten wir gezielt immer wieder nach, um nicht in Vergessenheit zu geraten (Flyer, Pressemitteilungen, Radiointerview etc.). All diese Puzzlesteine trugen zu diesem Erfolg bei.

Was bedeutet euch diese breite Unterstützung?

Diese breite Unterstützung ist ein riesen Geschenk, doch gleichzeitig eine grosse Verpflichtung. Wir stehen als Familie im Fokus der Öffentlichkeit, sowohl im Positiven als auch im Negativen. Dies gilt es zu ertragen, was für viele Aussenstehende wahrscheinlich gar nicht nachvollziehbar ist.

Welche Möglichkeiten eröffnet euch dieser Mehrbetrag? Was werdet ihr mit den zusätzlichen 70'000 Franken machen?

Welche Möglichkeiten uns der Mehrertrag beschert, lässt uns leider ein wenig schmunzeln. Unser Erfolg via Funders hat nämlich eine Kehrseite. Das grosse Echo durch Funders und der stets publizierte Spendenstand veranlasste sämtliche Stiftungen, unser Ersuchen abzulehnen – mit dem Hinweis auf unseren Erfolg bei Funders. Der Plan, die Finanzierung auf verschiedene Pfeiler abzustützen, war somit begraben. Unser Erfolg bei Funders wirkte sich also kontraproduktiv auf die anderen Pfeiler aus. Die Mehreinnahmen durch Funders vermögen die budgetierten Zuwendungen via Stiftungen nicht ganz zu decken. Die Zukunft wird weisen, wie hoch der Fehlbetrag sein wird und wie wir ihn bewältigen. Aber unsere Zuversicht lässt uns auch diese Hürde nehmen.

Was würdet ihr rückblickend anders machen?

Was «Funders» betrifft, würden wir nichts anders machen. Doch die Wahl des Zeitpunkts würden wir anders gestalten, um die mehrgleisige Strategie nicht zu gefährden.

Welche Tipps habt ihr für andere Starter?

Die Kernbotschaft muss überzeugen. Und das Aufschalten des Projekts bei Funders allein garantiert noch keinen Erfolg. Es gilt, das Projekt mit anderen Massnahmen in der Öffentlichkeit präsent zu halten. Dieser Aufwand ist nicht zu unterschätzen.

Das wollten wir schon immer einmal sagen:

Mit Hilfe von «Funders» darf unser «Heimetli» weiterleben. Danke!!!

www.funders.ch/heimetli

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