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Für alles was Räder hat

26.10.2020 um 14:37 von Phil

Ein Bewegungsort für Jung und Alt und für alles, was Räder hat. Das ist der Rollsportpark in Schüpfheim. Vor mehr als zwei Jahren haben die Köpfe hinter dem Park ihr Crowdfunding-Projekt erfolgreich abgeschlossen; fast eineinhalb Jahre ist der Park nun bereits offen. Grund genug, um mit den Startern zurückzublicken – und auch vorauszuschauen. 

Für das Interview sprachen wir mit Tom Felder vom Trägerverein Rollsportpark Schüpfheim. 

Wann konntet ihr euch das letzte Mal selbst im Park austoben?
Die ganze Zeit! Es ist zwar so, dass einige von uns wegen des Studiums oder der Arbeit von Schüpfheim wegezogen sind; trotzdem treffen wir uns immer wieder im Rollsportpark auf eine Session. Das ist eine super Gelegenheit, einander wiederzusehen.

Seit fast eineinhalb Jahren existiert der Rollsportpark Schüpfheim. Wie geht es euch, wenn ihr das hört? 
Das erfüllt uns vor allem mit Stolz. Obwohl es den Rollsportpark «erst» seit eineinhalb Jahren gibt, hat er sich schon als «der» Bewegungsort und Treffpunkt für alle Altersklassen in Schüpfheim etabliert.

Seid ihr mit dem bisher Erreichten zufrieden?
Ja, wir sind sehr zufrieden. Es ist schön zu sehen, wie gut der Park besucht wird. Das ist genau das, was wir erreichen wollten: Eine Bewegungszone und einen Treffpunkt für Jung und Alt schaffen, indem wir allen etwas bieten.

Früh übt sich: Auch der Nachwuchs kann sich im Rollsportpark austoben. 

Bild: Philipp Schmidli. Mit freundlicher Genehmiung der CKW

Ihr schreibt, dass der Park sich an Jung und Alt richtet. Wie können wir uns das vorstellen?
Wie schon gesagt, wollen wir für alle Altersklassen etwas bieten. Sei es sportlich oder einfach nur als Treffpunkt. Auf der sportlichen Seite haben wir den Park so eingeteilt, dass wir für absolute Anfänger bis zum Profi interessante «Lines» und «Features» haben.

Dies haben wir mit drei verschiedenen Pumptracks und einer Bowl realisiert: Ein Pumptrack wurde extra für Rollstuhlfahrer konzipiert, einer für Kinder und einer für Erwachsene. Die Bowl schliesslich ist eher für Fortgeschrittene gedacht. Somit kann sich jede Person, egal welche Altersklasse und ob sportlich oder nicht, auf unserer Anlage sportlich betätigen. Dieses Konzept erlaubt es auch, sich an die Sportgeräte langsam heranzutasten. Wenn jemand beispielsweise mal das Skateboarden ausprobieren möchte, muss er das nicht gleich in der Bowl tun.


Begriffe erklärt: Was sind Pumptracks und Bowls?

Ein Pumptrack ist eine bis zu 2 Meter breite Piste aus Bodenwellen und Steilwandkurven für Anfänger und Fortgeschrittene. Durch schwungvolle Bewegungen wird Geschwindigkeit aufgenommen, sodass die ganze Runde beliebig oft und ohne zu pedalieren gefahren werden kann.

Eine Bowl kann man sich als leeren Swimmingpool vorstellen. Die gemäss den Bedürfnissen der Jugendlichen konzipierte Skateanlage ermöglicht verschiedenste Varianten der Fortbewegung und richtet sich an fortgeschrittene Fahrer. Sie ist vor allem für Skateboarder, Inlineskater und BMXer gedacht

Für jeden etwas dabei: Vorne die Bowl, hinten die Pumptracks.  

Bild: Sascha Duss.  


Für welche Geräte ist der Park geeignet?
Für alle Rollsportgeräte, die nicht motorisiert sind. Am meisten sehen wir Bikes, Skateboards und Scooters.

Die letzten Monate waren sicherlich auch für euch eine Herausforderung. Wie seid ihr damit umgegangen?
Ja, auch wir mussten uns natürlich den Umständen anpassen. Wir haben während des Lockdowns ein Online-Buchungssystem eingeführt, mit dem man sich anmelden und seine Zeit im Rollsportpark reservieren musste.

Zusätzlich wurde der ganze Park von aussen mit Gittern abgesperrt. Es gab nur noch einen Eingang und da wurden auf die Sicherheitsmassnahmen und besonderen Regeln hingewiesen. Somit konnten wir die Anzahl Besucher, die gleichzeitig auf dem Park waren, auf maximal 5 Personen beschränken. Dies hat sehr gut funktioniert.

Über das Crowdfunding-Projekt

Kommen wir zu eurem Projekt. Wie kam es zu einem Rollsportpark?
Die Geschichte nahm vor 17 Jahren ihren Anlauf. 2003 hatten sich Jugendliche in Schüpfheim schon nach einer Skateanlage gesehnt. Es wurde dann eine rudimentäre Halfpipe aus Holz errichtet, die schon im Jahre 2011 witterungsbedingt abgerissen werden musste. Danach hat sich eine Gruppe von Jugendlichen zusammengefunden, die sich für eine anständige Skateanlage einsetzte. Ich selber war da mittendrin und hatte mich 2013 entschieden, meine Maturaarbeit diesem Vorhaben zu widmen.

So erstellte ich während eines Jahres ein Konzept für eine Skateanlage in Schüpfheim. Leider war das Interesse beim Gemeinderat für eine Skateanlage damals relativ gering. 2016 wurde ich dann von der Gemeinde orientiert, dass sich mit Bruno Schnider eine Gruppe gebildet hatte, die in Schüpfheim auf dem Schachemättili einen Pumptrack realisieren möchte. Wir sind relativ schnell zusammengesessen und haben uns über mögliche Kombinationen von Pumptrack und Skateanlage ausgetauscht. Wir konnten immer mehr gute Leute beiziehen, und somit führte eines zum anderen.

Was war die Initialzündung, die Idee auch wirklich in die Tat umzusetzen?
Für mich war das der Moment, als sich die zwei Gruppen gefunden und gemeinsam entschieden hatten, einen Park mit Pumptrack und Skateanlage zu kombinieren. Das war auch der Moment, bei dem wir die Unterstützung der Gemeinde spürten. Die Idee, einen Pumptrack mit einer Bowl zu kombinieren, war einzigartig in der Schweiz. Das hat uns noch mehr Mut gemacht, das Ganze wirklich umzusetzen.

Brachten den Park ins Rollen: Die Köpfe hinter dem Park. 

Bild: Yannik Röösli

Bei der Umsetzung musstet ihr die Bedürfnisse verschiedener Gruppen berücksichtigen, von der Gemeinde bis zu skatenden Jugendlichen. Wie seid ihr bei der Planung und Umsetzung vorgegangen?
Das war wirklich nicht immer ganz einfach. Auch bei uns im Trägerverein gab es immer wieder Meinungsverschiedenheiten. Am Schluss war es für uns wichtig, dass wir mit dieser Anlage der ganzen Bevölkerung etwas bieten: sei es dem Kind auf dem Scooter, dem Profiskater, den Eltern mit dem Bike oder den Grosseltern, die Zeit mit ihren Enkeln verbringen wollen. Deshalb haben wir uns auch dafür entschieden, eine gute Infrastruktur zu errichten, die es erlaubt, Toiletten anzubieten und einen Kiosk inkl. Vermietung von Sportgeräten zu führen. Dies kam bei der Gemeinde und den Sponsoren sehr gut an.

Warum habt ihr Crowdfunding als Finanzierungsform gewählt?
Das Crowdfunding war für uns eine zusätzliche Finanzierungsform für die Bowl. Wir hatten schon einiges an Sponsorengeldern zusammen, es fehlte jedoch noch etwas für die Realisierung der Bowl. Mithilfe des Crowdfundings konnten wir auf Social Media sehr viele verschiedene Personen erreichen, vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, die uns dann mithilfe von Funders unterstützten und uns somit den Traum der Bowl erfüllten.

Was war für euch der Grund, Funders zu wählen?
Funders war damals in der Anfangsphase und wurde uns von der Luzerner Kantonalbank empfohlen. Nachdem wir die Tarife und Leistungen von Funders mit anderen Crowdfunding-Anbietern verglichen hatten, stellten wir fest, dass Funders für uns die beste Option war. Ein grosser Beweggrund war sicherlich auch, dass Funders lokal in Luzern verankert ist und wir immer einen persönlichen Ansprechpartner hatten.

Wie habt ihr es geschafft so viele Unterstützerinnen und Unterstützer zu mobilisieren?
Durch unser breites Netzwerk, sei es auf Social Media oder in der Gemeinde selber.

Worauf seid ihr besonders stolz?
Am meisten stolz sind wir auf die vielen positiven Rückmeldungen, die wir heute erhalten und die hohe Besucherzahl, die wir immer wieder feststellen dürfen. Das gibt einem die Bestätigung, etwas richtig gemacht zu haben.

Gibt es etwas, das ihr rückblickend anders machen würdet?
Im Nachhinein gibt es immer Sachen, die man anders hätte machen können. Grundsätzlich sind wir aber sehr zufrieden, wie wir vorgegangen sind. Dinge wie den Unterhalt und den Kioskbetrieb hätten wir zum Beispiel etwas früher mit der Gemeinde aushandeln können. Das sind schlussendlich aber Details.

Welchen Tipp habt ihr für andere Starter?
Das Wichtigste, um ein solches Projekt zu realisieren, ist grosse Überzeugung und viel Ausdauer. Und dass man den Mut und den Glauben daran nicht verliert. Wir standen immer wieder vor grösseren Hürden, die teilweise auch viel Zeit kosteten. Aber solange alle zusammen an einem Strick ziehen und motiviert sind, ist extrem viel möglich.

Dran bleiben, auch wenn's nicht so rollt - das Erfolgsrezept für die Starter.  

Bild: Yannik Röösli. 

Schauen wir gemeinsam in die Kristallkugel: Was sind eure Pläne für die Zukunft des Parks?
Unser Ziel ist es, dass der Park in den nächsten 10-20 Jahren so gut wie heute genutzt wird. Wir planen auch grosse Events im Park durchzuführen, wie zum Beispiel den Red Bull Pumptrack World Championship Qualifier und die PumpKing Challenge. Deshalb ist es unser Ziel, den Park top zu unterhalten und Restaurationen umgehend vorzunehmen, sobald solche anstehen. Es ist auch nicht auszuschliessen, dass wir den Park irgendwann mal erweitern werden.

Das wollten wir schon immer einmal sagen:
Danke an alle, die an uns geglaubt und uns unterstützt haben. :-) Wenn ihr an einem ähnlichen Projekt dran seid, dann dürft ihr auch immer gerne Kontakt mit uns aufnehmen. Wir helfen gerne weiter. Es lohnt sich, dranzubleiben!

Über den Rollsportpark Schüpfheim

Der Rollsportpark Schüpfheim ist ein Bewegungsort für Jung und Alt. Auf der Sportanlage können sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit ihren Rollsportgeräten austoben. Der Park besteht aus mehreren Pumptracks und einer Bowl. Er beinhaltet zudem ein Betriebsgebäude mit Kiosk, Vermietung und Toiletten. rollsportpark.com 


Titelbild: Yannik Röösli. 

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