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Crowdfunding-Markt in der Schweiz wächst weiter

10.06.2020 um 11:44 von Phil

Gemäss dem Crowdfunding-Monitor der Hochschule Luzern sind 2019 in der Schweiz knapp 600 Millionen Franken über Crowdfunding-Plattformen vermittelt worden. Damit ist der Markt im Vergleich zum Vorjahr um 15.6 Prozent gewachsen. Betrachtet man die einzelnen Disziplinen, verzeichnet Crowdlending weiterhin ein starkes Wachstum, während das Crowdsupporting-Volumen leicht und das Crowdinvesting-Volumen stark zurückgegangen ist. Crowdlending-Projekte werden derweil verstärkt von institutionellen Geldgebern finanziert.

Die verschiedenen Crowdfunding-Disziplinen entwickeln sich sehr unterschiedlich. Während Crowdlending weiterhin einen kräftigen Zuwachs von 59.8 Prozent verzeichnet, schrumpft das Crowdinvesting-Volumen kräftig um gut einen Viertel (-24.8 Prozent). Das Crowdsupporting-Volumen sinkt ebenfalls, wenn auch nur leicht.

Entwicklung erfolgreich finanzierter Kampagnen nach Volumen von 2008 bis 2019.
 

Crowdsupporting: 24.6 Millionen durch 1769 Projekte

2019 wurden über Crowdsupporting und -donating 1'769 Projekte finanziert, was einem Umfang von 24.6 Millionen Franken entspricht. Damit steigt die Zahl der Projekte im Vergleich zum Jahr 2018 um 7.6 Prozent, während das Volumen leicht um 4 Prozent sinkt. Gemäss der HSLU-Studie ist der Rückgang des Gesamtvolumens auf das Fehlen von Grossprojekten zurückzuführen – eine Entwicklung, die wir 2019 auch bei Funders beobachten konnten.

Ebenfalls gesunken ist die durchschnittliche Summe eines Crowdsupporting-Projekts: Sie reduziert sich von 16'000 Franken in 2018 auf 13'890 Franken in 2019. Die durchschnittliche Unterstützung betrug 2019 144 Franken. Diese variiert jedoch stark je nach Rubrik eines Projektes.

Mit 68 Prozent ist die Erfolgsquote in der Schweiz gemäss der Studie sehr hoch. Funders verzeichnet derweil eine überdurchschnittlich hohe Erfolgsquote von 76 Prozent im Jahr 2019.

Crowdlending wächst kräftig

Der Crowdlending-Markt erreichte im Jahr 2019 ein Volumen von 418,4 Millionen Franken (Vorjahr: 261,9 Millionen Franken), was einem Wachstum von 59.8 Prozent entspricht. Die Zahl der erfolgreich vermittelten Kredite hat sich von 3'290 auf 2'781 verringert. Der Rückgang der Anzahl Kredite kann gemäss HSLU-Studie unter anderem durch das infolge einer Anpassung des Geschäftsmodells begründete Wegfallen der Daten des Anbieters Advanon begründet werden. Über diese Plattform wurden in früheren Jahren über 1'000 Kredite mit einem Volumen von mehr als CHF 20 Millionen pro Jahr im Crowdlending abgewickelt.

Insgesamt entfallen von den 418.4 Millionen Franken 159.7 Millionen Franken auf das Segment Business Crowdlending. Dies sind KMU-Kredite, wie sie auch auf funders.ch angeboten werden. Das Volumen lag in diesem Segment im Vorjahr noch bei 134.4 Millionen Franken.

Das Volumen im Bereich Consumer Crowdlending (Konsumkredite an Privatpersonen) ist gegenüber dem Vorjahr (57.0 Mio.) um 18.8% gewachsen und beträgt nun CHF 67.7 Millionen. Der Bereich Real Estate Crowdlending (hypothekarisch besicherte Kredite) ist im Jahr 2019 um sehr hohe 170.8% auf 191.0 Millionen Franken gewachsen.

Die im Crowdlending vergebenen Kreditsummen unterscheiden sich je nach Lendingform sehr stark. Bei KMU-Krediten lag der Wert bei rund 350'000 Franken (Vorjahr: ca. 300'000 Franken). Die durchschnittlichen Beträge können aber je nach Geschäftsmodell der Plattform sehr unterschiedlich sein. Besonders Plattformen mit sehr kurzfristigen Krediten scheinen gemäss Studie eher kleinere Volumen zu finanzieren.

Im Consumer Crowdlending lagen die durchschnittlichen Kreditsummen praktisch unverändert bei rund 32’000 Franken. Beim Real Estate Crowdlending lag das durchschnittliche Kreditvolumen im Jahr 2019 bei etwa 1'000’000 Franken (Vorjahr 650'000 Franken). Aufgrund der Verwendung für Wohneigentum ist der im Vergleich zu den anderen Segmenten markant höhere durchschnittliche Kreditbetrag gemäss Studie nachvollziehbar. Viele dieser Kredite sind nur kurzfristig und werden später von Banken abgelöst.

Im Durchschnitt investierte ein Kapitalgeber im Jahr 2019 120'000 Franken in einen KMU-Kredit. Bei Krediten an Privatpersonen liegt dieser Wert bei rund 10'000 Franken (Vorjahr 4'000 Franken). Die Aussagekraft dieser Werte ist aber stark eingeschränkt. Insbesondere institutionelle Investoren werden immer wichtiger und investieren bedeutend höhere Volumina als private Personen.

Der Crowdgedanke nimmt beim Lending ab

In der Schweiz haben 2019 etwa 180'000 Personen Crowdfunding-Projekt unterstützt. Diese Zahl umfasst auch Doppelzählungen, d. h. Personen, die mehrere Projekte finanziert haben. Entsprechend ist diese Zahl ohne Doppelzählungen deutlich tiefer.

Je nach Finanzierungsform ist die Zahl der Geldgeber und deren Kapitaleinsätze je Projekt sehr unterschiedlich. Während bei Crowdsupporting- und Crowddonating-Kampagnen der Crowdgedanke noch sehr zentral ist, scheint er beim Crowdlending an Bedeutung zu verlieren.

Denn beim Crowdsupporting steht weiterhin eine grosse Anzahl Personen mit jeweils kleinen Kapitaleinsätzen im Vordergrund. Bei den Geldgebern von Crowdlending-Projekten hingegen handelt es sich meist um wenige Personen mit in der Regel höheren finanziellen Beiträgen. Dazu kommt, dass im Crowdlending immer mehr professionelle Investoren aktiv sind.

Weiterhin Wachstum erwartet

Für die Zukunft erwarten die Studienautoren weiterhin ein Wachstum des Crowdfunding-Marktes im tiefen zweistelligen Prozentbereich. Insbesondere Real Estate Crowdinvesting und Crowdlending sollen demnach Wachstumstreiber sein. Die Autoren erwarten zudem, dass «die Crowd» in diesen beiden Segmenten an Bedeutung verlieren wird und professionelle Investoren Kredite oder Immobilien finanzieren werden. Privatpersonen werden relativ gesehen also an Bedeutung verlieren.

Die Situation rund um COVID-19 könnte für Crowdsupporting einen positiven Effekt gehabt haben. Denn Initiativen wie die Corona-Hilfe von Funders oder ähnliche Kampagnen haben mehr Personen mit Online-Finanzierungen in Kontakt gebracht. Auf den Crowdlendingmarkt könnte COVID-19 temporär einen negativen Effekt haben – je nach Verwendung der vom Bund zur Verfügung gestellten Kredite. Insgesamt erwarten die Studienautoren aber, dass Plattformen in der zweiten Jahreshälfte 2020 wieder stärker zum Zug kommen werden, wenn KMU zusätzliche Mittel benötigen, falls die Krise länger anhält.


Der vollständige «Crowdfunding-Monitor 2020» der Hochschule Luzern ist hier herunterladbar: blog.hslu.ch/retailbanking/crowdfunding/

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