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Coronahilfe mit Crowdfunding

04.09.2020 um 15:03 von Phil

Die Coronapandemie hat viele Unternehmen hart getroffen. Um schnelle Hilfe zu leisten, hat funders.ch ein Crowdsupporting für Betroffene auf die Beine gestellt. Die Hilfe ging sogar weit in die Schweiz hinaus.

INGWR Drinks wurde vom Lockdown der Restaurants auf dem falschen Fuss erwischt. Das Start-up stellt Tees und Limonaden aus frischem, fair gehandeltem Ingwersaft her. Dabei arbeitet das junge Luzerner Team mit Bio-Ingwer-Bauern in Indien zusammen. Weil die Verkäufe in die Gastronomie ausfielen, blieb INGWR auf 300 Litern Tee sitzen. «Um zu verhindern, dass wir die Ware verschwenden müssen, entschieden wir uns, ein Crowdfunding zu lancieren», sagt Kevian Steiner, Mitbegründer des Unternehmens.

Wer das Projekt unterstützte, half somit nicht nur dem Start-up, sondern leistete auch einen Beitrag gegen Foodwaste. Dies kam auch bei der Crowd gut an: Die Ingwer-Aktion generierte über 6500 Franken – fast alle Teeflaschen konnten gerettet und an die knapp 100 Unterstützerinnen und Unterstützer nach Hause verschickt werden. Inzwischen sind Restaurants und Bars wieder offen und somit auch die Luzerner Ingwertees wieder erhältlich.

Schon zum zweiten Mal erfolgreich

Auch der SC Kriens hat sich dazu entschieden, ein Coronaprojekt auf funders.ch zu realisieren. «Die Krise trifft unseren Verein hart», sagt Tom Tobler, Sprecher des Challenge-League-Vereins. Da zwischen März und Juni keine Heimspiele durchgeführt werden konnten, entgingen dem Verein Einnahmen von rund 100’000 Franken. Um den Verein finanziell zu entlasten, hat der SCK für fast alle Mitarbeitenden Kurzarbeit angemeldet. Doch das allein reichte nicht. «Bei uns stopfen keine Mäzene finanzielle Löcher», so Tobler. Dafür kann der Verein auf treue Mitglieder und Fans zählen: In den vergangenen Monaten hat der SCK mit der Aktion «Zäme is Chlifäld» über 16'000 Franken gesammelt. 

Dass der SCK mit dem Crowdfunding Erfolg hatte, verwundert nicht: Mit dem Projekt «Die Stadionbauer» generierte der Verein vor einigen Jahren fast 300'000 Franken an den Bau eines neuen Fussballstadions – ein Rekordwert für einen Sportverein. Inzwischen rollt der Ball wieder im Kleinfeld, auch wenn vorerst nur mit rund 850 Zuschauerinnen und Zuschauern.

Treue Fans: Auch in der Corona-Krise konnte der SC Kriens auf die Fantreue zählen. 

Daniel Lütolf, Plattformleiter von funders.ch, freut sich über die Spendenerfolge. Er weiss: «Infolge der Coronakrise sind die Umsätze von vielen KMU massiv eingebrochen.» Besonders betroffen seien Kreative, Start-ups, Kleinunternehmer und Gastrobetriebe. Um die betroffenen Firmen möglichst schnell und unkompliziert zu unterstützen, hat funders.ch im März innert kurzer Zeit einen eigenen Corona-Channel aufgebaut (siehe Box). Davon profitiert hat auch ein Reisebüro im Bündner Ferienort Arosa.

Hilfe in den Bündner Bergen

SARS, 9/11, Finanzkrise 2008: Beat Künzler hat in den vergangenen 30 Jahren schon einige Krisen überstanden. «Aber so etwas wie dieses Jahr habe ich noch nie erlebt.» Die Pandemie und der Lockdown haben Künzler und sein Reisebüro Arotur in Arosa zum schlechtesten Zeitpunkt getroffen. Da ein grosser Teil der lokalen Bevölkerung im Tourismus arbeitet, gehen die Bündner traditionell zwischen Ende April und Mitte Juni in die Ferien. «Die Coronakrise hat uns zwischen 70 und 80 Prozent unseres Jahresumsatzes gekostet», bilanziert Künzler. Obwohl der Betrieb in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet habe, stand das KMU auf einmal vor dem Aus. Nächtelang habe er sich voller Sorgen im Bett gewälzt und nach einem möglichen Ausweg aus der Misere gesucht, erzählt Künzler. Irgendwann kam ihm die Idee, ein Crowdfunding zu starten. Hilfe fand er schliesslich in Luzern bei funders.ch.

Treue Kundschaft: Etwa 300 Personen unterstützten Arotur-Besitzer Beat Künzler (links im Bild).

Was dann geschah, kann der Geschäftsführer bis heute nicht so richtig glauben. «Die Resonanz auf unser Funders-Projekt war riesig.» Es dauerte nicht lange, bis die regionalen Medien auf die Aktion aufmerksam wurden und über das Crowdfunding des Reisebüros berichteten. Fast 300 Personen aus der Kundschaft und dem Freundeskreis haben das Reisebüro unterstützt und zusammen über 65'000 Franken gespendet. Noch heute kriegt Beat Künzler feuchte Augen, wenn er von der riesigen Solidarität spricht, die er erfahren hat. «Mit diesem Crowdfunding haben wir einen ganz wichtigen Schritt geschafft, um unseren Betrieb bis zur nächsten Buchungssaison über Wasser zu halten.» Beat Künzler möchte auch anderen Unternehmen Mut machen, ein Crowdfunding zu starten. «Ein solches Vorhaben kostet Zeit und auch einiges an Überwindung. Aber es lohnt sich.»

 

Aktion «Corona – Funders helfen»: Jeder Franken fliesst in die Projekte

Idee: Abgesagte Veranstaltungen, ausbleibende Kundschaft, geschlossene Lokale: Die Coronakrise hat viele Unternehmen hart getroffen. Mit der Aktion «Corona – Funders helfen» unterstützt funders.ch Crowdsupporting-Projekte für Unternehmen und Organisationen, die infolge der Krise mit fehlender Liquidität zu kämpfen haben.

Besonderheit: Um den Initianten jeden Unterstützungsfranken zur Verfügung stellen zu können, verzichtete die Plattform bei der Corona-Aktion auf die gewöhnliche Gebühr von 5 Prozent. Ausserdem wurde das übliche «Alles-oder-nichts-Prinzip» ausgesetzt: Da das zu erreichende Spendenziel bei sämtlichen Aktionen auf einen Franken herabgesetzt wurde, konnte jeder einzelne Spendenfranken ausbezahlt werden.

Projekte: Von über 100 Anfragen wurden 21 Projekte in die Finanzierungsphase gestellt. Die restlichen genügten nicht oder hatten mit Corona nichts zu tun. Es sind etwa 800 Mails hin- und herversendet worden.

Erfolg: Per Ende Juli wurden rund 150'000 Franken durch 1000 Unterstützer gesammelt.

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